Schlagwort: Leier

Andere Zupfinstrumente

Puuluup – Das Duo mit der Streichleier Jouhikko

Durch eine Sendung in Deutschlandfunk Kultur bin ich auf Puuluup aufmerksam geworden. Puuluup ist ein Duo aus Estland das sich überwiegend mit der Jouhikko (engl. Hiiu kannel) , einer gestrichenen Leier, begleitet. Das Instrument ist sehr selten, wer anfängt das Instrument zu spielen kann sich nach kurzer Zeit zu den Top 100 der Jouhikko-Spieler zählen.

Das Duo besteht aus Ramo Teder und Marko Veisson. Ausser ihren Leiern verwenden die beiden Spieler auch Lopp Stations mit denen sie einen Klangteppich erzeugen können.

Sie treten meist im dunklen Anzug auf wie hier (Screenshot von einem youtube Video):

Dabei nutzen sie ihre Instrumente sehr kreativ, man braucht ja nicht unbedingt die Saiten zu streichen, sondern man kann auch die Stimmwirbel mit dem Bogen zum klingen bringen.

Schöne Bilder und Beispiele für die Musik von Puuluup findet man in dem folgenden Video:

Eine der Leiern in Nahaufnahme (Screenshot aus dem obigen Video)

Playliste Puuluup

Review: https://www.global-music.de/review/puuluup-suuta-mu-lumi/

Interview (Engl.): https://www.estonianmusicweek.ca/news/puuluup-interview-

Wikipedia über Jouhikko: https://de.wikipedia.org/wiki/Jouhikko

Jouhikko, auch jouhikannel oder jouhi kantele, ist die seltene Form einer zwei- oder dreisaitigen, mit einem Bogen gestrichenen Leier, die in der Volksmusik in Finnland gespielt wird. Der Namensbestandteil kantele bezieht sich auf die andersgeartete, finnische griffbrettlose Zither kantele und jouhi (finnisch „Rosshaar“) bezeichnet allgemein Streichinstrumente.

Alte Musik

Alemannische Leier / Trossinger Leier / Anglo Saxon Lyre

Eines der ältesten bekannten Saiteninstrumente ist die Leier. Dieses Instrument ist aus dem angelsächsischen Raum als Anglo-Saxon Lyre bekannt.

Auf der Homepage von Paul Bultler (http://crab.rutgers.edu/~pbutler/aslyre.html) findet man den folgenden Text:

The Anglo-Saxon Lyre is a five to seven (mostly six) string instrument used throughout northern Europe during the early middle ages. Known variously as a lyre, cithara, rotte, hearpe, etc., it has a couple of forms. Primary research on this instrument has already been done in a number of places, including several places on the web, so I’m not going to duplicate that information here (see below for various links). The most famous „example“ of this instrument is the Sutton Hoo lyre, small fragments of which were found in a burial mound in SE England, dating from the 7th century C.E., which are presently on display in the British Museum along with a reconstruction of what the instrument might look like (I believe originally made by Dolmetsch).

Die immer wieder erwähnte Leier von Sutton Hoo wurde Ende der 30er Jahre ausgegraben, eine Rekonstruktion ist im British Museum in London ausgestellt. Diese Leier wurde bisher oft als Vorlage für rekonstruktionen verwendet, so auch von Michael J King (http://michaeljking.com/sutton_hoo_lyre.htm)

Die Leier war vor allem auch hier im Süden Deutschlands gebräuchlich. In Trossingen wurde im Jahr 2001 eine ausgezeichnet erhaltene Leier gefunden. Das Holz dieser Leier stammt aus dem 6. Jahrhundert, das Instrument ist also vermutlich um 600 n. Chr. gebaut worden. Nähere Informationen zu diesem Instrument findet man über die Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Trossinger_Leier

Vor kurzen durfte ich bei der Phoibos-Tagung in Passau eine Rekonstruktion dieser Leier in den Händen halten und ausprobieren. Dieses Instrument ist sehr schön und aufwändig verziert, ein filigranes Muster ist auf der gesamten Decke des Instruments und auf dem Boden eingeritzt und schwarz eingefärbt.

Das Instrument gehört Eberhard Kummer, Sänger aus Wien, der sich mit der Musik des Mittelalters bis hin zum Wiener Lied beschäftigt. Eberhard Kummer verwendete die Leier zur Begleitung eines Mittelalterlichen Liedes und verwendete dazu die im englischen als „block and strum“ bekannte Technik. Alle Saiten, die nicht klingen sollen, werden mit der linken Hand berührt, die rechte Hand schlägt mit einem Plektrum über die Saiten, sodass ein Akkord erklingt.

Wie das in der Praxis aussieht und sich anhört kann man in den Videos von Michael J King sehen und hören, hier ein Video mit dieser „block and strum“ Technik:

Anglo Saxon Lyre 2

Ein weiteres Beispiel dieser Technik zeigt das folgende Video: http://www.youtube.com/watch?v=ucgIRUBy1Qc&NR=1

Im Museum in Ellwangen werden auch Kurse zum Bau einer Alemannischen Leier angeboten. Ein Bericht über ein Instrument, das in so einem Kurs gebaut wurde findet man hier: http://www.dieterle-design.de/leierbau.html

Das Instrument aus diesem Kurs ist in dem folgenden Video zu hören, dieses Mal wir die Leier in einer Zupftechnik nur mit der rechten Hand gespielt.

Alamannische Leier

Zum Vergleich ein tolles Video mit einer Leier aus dem Altertum. In diesem Video werden sehr viele verschiedene Spieltechniken angewandt, die man auch auf der Alemannischen Leier verwenden könnte. So werden Saiten mit der linken hand gezupft, es gibt ein tremolo auf einzelnen Saiten, Glissandi usw.

EGYPTIAN FOLK SONG PLAYED ON ANCIENT LYRE! (1 of 4)

Weitere Informationen

Viele Videos mit Leiern und anderen Nachbauten von historischen Instrumenten findet man im youtube Kanal von Michael J King

Hinweise zum Bau dieser Instrumente und Pläne gibt es auf der Website von Michael J. King

Diese und weitere Links zum Thema Leier findet man in meiner Pinboard Linkliste: http://pinboard.in/u:mandoisland/t:leier/

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